An diesem Ort verloren 1945 Tausende Oberschlesier ihr Leben

Das Lager Zgoda in Schwientochlowitz gehört zu den dunkelsten Kapiteln der Nachkriegsgeschichte Oberschlesiens. Es wurde 1945 auf dem Gelände eines ehemaligen nationalsozialistischen Außenlagers eingerichtet. Dort wurden Tausende Menschen festgehalten – überwiegend einheimische Bewohner Oberschlesiens. Viele von ihnen verloren ihr Leben. Jahrzehntelang wurde kaum über das gesprochen, was an diesem Ort geschehen war. Erst nach den politischen Veränderungen in Polen im Jahr 1989 entstand die Möglichkeit, die Geschichte des Lagers Zgoda wissenschaftlich aufzuarbeiten und seiner Opfer öffentlich zu gedenken.

Am 14. Juni 2026 fand auf dem Gelände des ehemaligen Lagers eine solche Gedenkveranstaltung statt. Organisiert wurde sie – wie jedes Jahr – von der deutschen Minderheit in der Woiwodschaft Schlesien. Am ehemaligen Lagertor, das heute als Mahnmal dient, versammelten sich geladene Gäste sowie zahlreiche Menschen, denen die Erinnerung an diese Ereignisse ein wichtiges Anliegen ist. Alle Anwesenden begrüßte Eugeniusz Nagel vom Deutschen Freundschaftskreis im Bezirk Schlesien, Veranstalter der Gedenkfeier (Aussage auf Polnisch):

Eugeniusz Nagel begrüßte zudem Vertreter der Kommunalbehörden, der deutschen Minderheit, Politiker und Aktivisten. Darunter waren u. A. Honorarkonsul Marcin Tyslik, die Beauftragte des Schlesischen Wojewodschaftsamts für Minderheiten Monika Ziaja, Europaabgeordneter Łukasz Kohut, Senatorin Gabriela Morawska-Stanecka und Stadtpräsident von Schwientochlowitz Daniel Beger. Die Feier begann mit dem Niederlegen von Kränzen und Kerzen.

Als Erster ergriff das Wort der Stadtpräsident von Schwientochlowitz, dem Eugeniusz Nagel zuvor für die Sanierung des Tor-Denkmals sowie für die Neugestaltung dieses Gedenkgeländes dankte (Aussage auf Polnisch):

Der Honorarkonsul Marcin Tyslik sowie der Europaabgeordnete Łukasz Kohut betonten, dass die Erinnerung an diese Geschichte wichtig sei und gepflegt und weitergegeben werden muss. Man müsse sich aber auch daran erinnern, was zu einer solchen Tragödie geführt habe, und nicht nur für die historische Wahrheit kämpfen, sondern auch dafür, dass nationalistische, feindselige und fremdenfeindliche Haltungen in der Gesellschaft keinen Nährboden finden.

Marcin Tyslik (Aussage auf Polnisch):

Łukasz Kohut (Aussage auf Polnisch):

Wie der Europaabgerodnete Łukasz Kohut in seiner Rede betonte – die deutsche Minderheit war Pionier des Gedenkens an die Opfer der sog. Oberschlesischen Tragödie. Ursprünglich fanden die Gedenkveranstaltungen für Opfer des Lagers Zgoda auf dem Friedhof in Friedenshütte – am Kreuz und an einem symbolischen Mahnmal, der im Juni 1995 eingeweiht wurde. Dieses wurde auf Initiative der Opferfamilien und der deutschen Minderheit an der Stelle eines Massengrabs errichtet und daher finden die Gedenkfeierlichkeiten des DFK Schlesien jährlich im Juni statt.

Bei der diesjährigen Gedenkfeier wurde wie immer auch jener gedacht, die sich für das Erinnern an die Opfer eingesetzt haben, darunter Dorota Boreczek, Józef Małek, Gerhard Gruschka und Anton Nowok. Sie sind zwar nicht mehr unter uns, doch ihr Engagement bleibt unvergessen. Paweł Nowok, der Bruder von Anton, kommt zu den Gedenkfeiern weiterhin. Dieses Jahr hat er sogar die ersten Gedenktafeln mitgebracht und teilt mit uns ihre Geschichte (Interview auf Polnisch):



Das Material hat Anita Pendziałek vorbereitet.