So ein Buch gab es noch nie!
„Im Jahr 1945 war nichts mehr so wie vor dem Kriegsausbruch. Diese wenigen Monate seit Ende Januar erwiesen sich als Wendepunkt für die weitere Geschichte dieser Region” – das ist ein Fragment aus der Einleitung zum Buch „Punkt zwrotny. Rozmowa o roku 1945 na Górnym Śląsku”, was übersetzt bedeutet: Wendepunkt. Ein Gespräch über das Jahr 1945 in Oberschlesien. Seine Autoren sind Dr. Bogusław Tracz und Dr. Sebastian Rosenbaum – zwei Historiker und Forscher, die sich seit zwanzig Jahren mit dem Thema der Oberschlesischen Tragödie befassen.
Es handelt sich um ein ungewöhnliches Buch, da es keine klassische historische Abhandlung ist, sondern ein Gespräch zwischen zwei Forschern. Dr. Rosenbaum und Dr. Tracz versuchen das Jahr 1945 aus lokaler, aber auch persönlicher Perspektive zu verstehen und zu erzählen. All dies ohne Vereinfachungen, mit Respekt vor der Erinnerung und den Fakten. Formal ist es Sachliteratur in Dialogform. Die Autoren unterstreichen, dass dieses Gespräch subjektiv erscheinen mag, aber dennoch handelt es sich weiterhin um ein historisches Werk.
So Dr. Sebastian Rosenbaum und Dr. Bogusław Tracz über ihr Buch, das während der Kattowitzer Buchmesse vor zwei Monaten vorgestellt wurde. Die Autorenlesung wurde von Professor Ryszard Kaczmarek moderiert, einem Historiker und Forscher der Geschichte Schlesiens, der auch stellvertretender Direktor des Instituts für Regionalforschung der Schlesischen Bibliothek in Kattowitz ist. Prof. Kaczmarek betonte während der Veranstaltung mehrfach, dass es sich um ein Buch ZUM LESEN handelt – es ist locker geschrieben, bleibt aber gleichzeitig sachlich. Der Leser erhält ein detailreiches Gespräch, das die in der öffentlichen Wahrnehmung verankerten Narrative beseitigt und in Frage stellt. Die Form des Buches und die Tatsache, dass es auf einer Buchmesse vorgestellt wird, sind zwei sehr wichtige Aspekte – dieser Meinung ist der Europaabgeordnete Łukasz Kohut:
Die Autoren des Buches erforschen seit zwei Jahrzehnten die tragischen Ereignisse des Jahres 1945, die als Oberschlesische Tragödie bezeichnet werden. Auf der anderen Seite gibt es viele Kreise, darunter auch die deutsche Minderheit, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen, es analysieren, diskutieren und die Erinnerung wachhalten. Kann das Buch also für Menschen interessant sein, die sich mit dem Thema der Oberschlesischen Tragödie beschäftigen und bereits vieles darüber gelesen haben? Womit kann es die deutsche Minderheit ansprechen? Diese Frage beantwortet einer der Autoren, Dr. Bogusław Tracz:
Das Buch „Punkt zwrotny. Rozmowa o roku 1945 na Górnym Śląsku” wurde vom Verlag der Schlesischen Bibliothek herausgegeben. Es ist in polnischer Sprache erhältlich. Professor Kaczmarek hat unterstrichen, dass er sich an kein ähnliches Buch dieser Art erinnern könne – weder hinsichtlich des Umfangs noch der Form. Die Autoren selbst betonen wiederum, dass ihre Publikation nicht nur eine historische Abhandlung ist, sondern auch eine Stimme für die Bewahrung der Erinnerung.
Das Material hat Anita Pendziałek vorbereitet.