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TERAZ GRAMY:

KULTURA

2018-11-09
Deutschland in Polen entdecken

Für vier Tage kamen nach Ratibor junge Journalisten aus Deutschland samt ihren Betreuern, um die deutsch-polnischen Beziehungen auf den Kriegsgezeichneten Gebieten zu erforschen.

„Junge Journalisten auf der Spur der außergewöhnlichen deutsch-polnischen Beziehungen, in den kriegsgezeichneten Gebieten“, unter diesem Titel wurde im September das Partnerprojekt zwischen dem Ratiborer und dem Märkischen Kreis realisiert.

Für vier Tage kamen nach Ratibor junge Journalisten aus Deutschland samt ihren Betreuern, um die deutsch-polnischen Beziehungen auf den Kriegsgezeichneten Gebieten zu erforschen. Sandra Gajda, Alicja Jacheć und Anna Kacprowicz, samt der Betreuerin Grażyna Strózik, aus  dem Allgemeinen Schulkomplex Nr. in Ratibor,  haben die polnische Seite der Erkundungsgruppe gebildet. Aus Deutschland kamen dagegen Christian Geng, Enes Senkulak  aus dem Zeppelin-Gymnasium und Jonas Leiber aus dem Bergstadtgymnasium mit dem Lehrer Thomas Miebach.

Der jungen Journalisten Gruppe standen zwei erfahrenen Journalisten zu Verfügung, aus Polen Anita Pendziałek aus der Deutsch-Polnischen  Redaktion Mittendrin beim DFK Schlesien und Ulla Erkens aus dem Pressebüro  des Märkischer Kreises, aus Deutschland.

Vier Tage lang hat die Gruppe mehrere Plätze des ratiborer Landkreises erkundigt, sich mit vielen Personen getroffen, die Ihnen die deutsch-polnische Geschichte und Kultur dieser Region näher gebracht hat.

Erst das Grundwissen

Als Auftakt des Austauschprojekts fand eine Schulung in der Redaktion Mittendrin statt, wo die Teilnehmer die Grundlagen des Journalismus kennengelernt haben. Im Programm stand auch die Besichtigung der Räumlichkeiten der Redaktion, wie auch das Näherbringen der Aufgaben von Mittendrin und DFK Schlesien und deren Entstehungsgeschichte. Zudem wurde der Film „Underground” gezeigt, wo die Menschen der ersten Stunde über die Anfänge des Deutschen Freundschaftskreises erzählen. Die Projektgruppe hatte auch die Möglichkeit mit Willibald Fabian zu sprechen, einem DFK-Aktivisten und dem ehemaligen Sejmabgeordneten.

Mit dem Grundwissen ausgestattet starteten die Jugendlichen aus beiden Kreisen ihre praktische Suche nach deutschen Spuren. Von den Ergebnissen waren sogar die jungen Journalistinnen der polnischen Seite überrascht: „Wir haben solche Plätze besucht, wo die deutsche Kultur sehr sichtbar war, so dass wir selbst davon sehr überrascht waren, obwohl es uns bekannt war, dass die deutsche Kultur in unserer Region präsent war und ist“.

Zwischen den Jugendlichen aus zwei Ländern gab es von Anfang an keine Kontaktprobleme, engagiert gingen sie an ihre Aufgaben und die Sprachbarrieren wurden mit mehreren Fremdsprachen überwunden. 

Ein vielseitiges Programm

Im breiten Programm fand sich unteranderem ein Besuch in Lubowitz, wo sich die Teilnehmer dem romantischen Poeten Joseph von Eichendorff gewidmet haben. Es gab viele Treffen und Gespräche mit DFK-Vertretern, darunter fand auch eine Besichtigung der Gedenkstube im DFK-Tworkau statt.  Die Gruppe hatte auch als Zielort Gross Rauden und das Piastenschloss in Ratibor. Jeder dieser Besuche brachte neue Informationen und neue Eindrücke.

Die Jungen Journalisten aus Deutschland  waren von dem was sie gesehen haben beeindruckt, was man ihren Äußerungen entnehmen kann: „Ich finde es faszinierend, wie viel man noch von der deutschen Zeit sehen kann. Man vergisst in Deutschland, dass es auch Deutsche gibt, die im Ausland leben, wie hier in Schlesien. Wir kamen hier nach Polen mit  Bilder im Kopf, die zu meist gar nicht stimmen, wir haben jetzt einen ganz anderen Eindruck von Polen“.

Auch die Betreuer fanden für das Projekt und den Aufenthalt nur positive Worte, darunter auch Ulla Erkens, Pressereferentin des Märkischer Kreises: „Ich bin das erste Mal in Polen, ich war sehr neugierig auf das Land. Ich konnte auf den ersten Blick nicht feststellen, was typisch polnisch und was typisch deutsch oder schlesisch ist. Ratibor ist eine moderne, lebendige Stadt. Wir haben sehr viele nette Menschen kennengelernt und wurden sehr freundlich aufgenommen. Ich denke, dass bei der älteren Generation die Geschichte noch lebendig ist, dass sie sich an die Zeit nach dem Krieg, nach der Wende erinnern. Die junge Generation ist auf dem Weg in Richtung Europa, sie orientieren sich nach außen, sie denken internationaler“.

Isabel Schönemann, die Betreuerin der Partnerschaft Märkischer Kreises und Kreis Ratibor ist sich sicher, dass man erst vor Ort, die komplizierte Geschichte verstehen kann:   „Das Projekt soll die Wurzeln und Geschichte der Deutschen im Landkreis Ratibor und der Polen im Märkischen Kreis erforschen. Was faszinierend war, dass die Erkenntnis noch mal deutlich wurde, dass dieses Gebiet, deutsches Gebiet war. Dass viele Leute, die wir getroffen haben, deutsche Wurzeln haben“.

Geschichte mal anders

Damit die Besucher aus dem Partnerlandkreis nicht nur die Vergangenheit erforschen, hatten sie auch andere Programmpunkte in dem viertägigen Aufenthalt. So hatten sie die Möglichkeit an dem Unterricht teilzunehmen, es gab Polnisch- und Deutschunterricht.

Ein Treffen mit den Landkreisvertretern aus Ratibor konnte natürlich nicht fehlen. Die Gruppe traf sich mit dem Landrat Ryszard Winiarski und Vizelandrat Marek Kurpis, denen sie ihre Eindrücke geschildert haben.

„Als Ergebnis des Projektes, müssen die Jugendliche erst eine Präsentation vorbereiten über das, was sie erfahren und erlebt haben und über ihre Eindrucke. Jeder Teilnehmer muss noch Artikel schreiben, die später in beiden Kreisen publiziert werden“, erzählte Isabel Schönemann.

Thomas Miebach, einer der Betreuer aus Deutschland schwärmt für das Projekt: „Meine Eltern kommen aus Schlesien, ich selbst wurde in Beuthen geboren, erst dann sind wir nach Deutschland ausgewandert. Für mich war das interessanteste die Treffen mit den Deutschen Freundschaftskreisen, meine Eltern haben mir viel erzählt, aber das was nach der Wende passierte, ist für mich alles neu. Ich habe hier Eichendorff entdeckt, bei uns spielt er eine Nebenrolle in der Geschichte der Literatur, hier ist er sehr präsent, was ich schön finde, weil ich Eichendorff sehr gerne habe. Ich finde das Projekt sehr gut. Während unseres Aufenthalts hier in Polen ist mir klar geworden, dass wir in Deutschland über Polen gar nicht so viel wissen.  Für die Schuler die keine Wurzeln in Schlesien haben, ist es, würde ich sagen, ein Weiser Fleck auf der Landkarte“.

Dies war erst der erste Teil des Austauschprojekts, denn Anfang Oktober fuhren die Teilnehmer aus dem Landkreis Ratibor zu ihren Partnern, dem Märkischen Kreis, wo auf sie der zweiter Teil der Erkundung der deutsch-polnischen Geschichte wartet. 

Das Projekt konnte realisiert werden dank der Unterstützung des Deutsch-Polnischen Jugendwerks.