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2018-02-06
Vergangene Höhepunkte und zukünftige Pläne

Über 1000 Veranstaltungen, Jubiläen, große Projekte - das alles erlebte die deutsche Minderheit in der Wojewodschaft Schlesien im vergangenen Jahr. Auch für 2018 ist viel geplant. Monika Plura sprach mit dem Vorsitzenden des Deutschen Freundschaftskreises  im Bezirk Schlesien, Martin Lippa, was genau passierte und was passieren soll.

Monika Plura: Was waren die Höhepunkte des Jahres 2017?

Martin Lippa: Wie in jedem Jahr gab es wieder jede Menge Veranstaltungen und Kulturprojekte. Wir wissen, dass es insgesamt über 1000 verschiedene Maßnahmen in den Strukturen unserer Gesellschaft in der ganzen Woiwodschaft gab und da ist es schwer das Wichtigste zu nennen. Wenn es um die Bezirksebene geht, könnte man vielleicht das Kulturfest in Ustron (Ustroń) als Höhepunkt bezeichnen, da wir uns da erstmals als deutsche Minderheit präsentiert haben und dies auch sehr erfolgreich verlief. Wir haben große Unterstützung bekommen seitens der Stadtverwaltung Ustron bekommen. Die Zusammenarbeit verlief gut. Es sind viele Menschen gekommen und wir haben den Besuchern auch die Möglichkeit gegeben dort zu übernachten und dann am nächsten Tag nach Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) zu fahren und die Stadt zu besichtigen. Das war vielleicht das Wichtigste im Jahr 2017. Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich auch das Konzert „Musik kennt keine Grenzen“ in der Philharmonie in Kattowitz, welches erstmals seit mehreren Jahren wieder organisiert wurde. Außerdem gilt es noch als einen Höhepunkt zu nennen, dass die Radioredaktion Mittendrin das 20-jährige Jubiläum der Radiosendung „Deutschen Stimme“ gefeiert hat. Sicherlich gab es für die Kreise und Gruppen auch andere wichtigen Ereignisse. Aus der Sicht des Bezirkes gehörten, denke ich, diese drei Veranstaltungen zu den kulturellen Höhepunkte des vergangenen Jahres.

Da Sie gerade das Konzert „Musik kennt keine Grenzen“ erwähnten - Wie kam es bei den Zuhörern an und wird es das Konzert auch 2018 geben?

Naja, also das Projekt nochmals auf die Beine zu stellen ist eine sehr große Herausforderung, wenn es um die logistische Aufgaben und die hohen Kosten geht. Ein hohes Niveau kostes auch entsprechend. Die Miete der Philharmonie, sowie die hochklassigen Musiker müssen ja bezahlt werden. Wie ich schon erwähnt habe, wurde das Projekt nach einer mehrjährigen Pause wiederholt und die Besucher hatten diesmal schon ihren Unmut geäußert, dass es diesmal Eintritt kostet. Aber die Zeiten haben sich verändert und kostenloser Eintritt bei so einer Sache ist heutzutage undenkbar, da wir auch unseren Eigenanteil dazu beisteuern müssen. Ich denke also, dass es so etwas 2018 nicht geben wird, aber wir werden uns vielleicht auf ein Format einigen, wo das Konzert alle zwei Jahre veranstaltet wird.

2018 soll ja auch das Kulturfestival der deutschen Minderheit stattfinden. Wissen Sie schon etwas darüber und können Sie den Lesern schon etwas verraten?

Also das, was ich auf jeden Fall schon sagen kann, ist, dass das Festival am 22. September in der Jahrhunderthalle in Breslau stattfindet. Es wird also den ganzen Samstag von früh bis abends gehen. Ich weiß allerdings nicht, welche Programmpunkte es geben wird, da sich das Organisationskomitte - und das Kulturfestival wird vom Verband deutscher Gesellschaften in Polen organisiert - erst noch zusammensetzen wird.

Ist für 2018 in Schlesien ein ähnliches Kulturfest wie letztes Jahr in Ustron geplant?

In dem Ausmaß eines Bezirksfestes wird es das Fest dieses Jahr nicht geben. Allerdings wird es auch wieder Kreiskulturfeste geben. Jedes Jahr findet ein Kreisfest in Kreisverband Ratibor statt. Auch im Kreis Gleiwitz haben wir vor, mit der Beteiligung der Landsmannschaft der Oberschlesier in Bayern, so ein Fest zu veranstalten. Das wird, denke ich, so Ende Mai, Anfang Juni stattfinden.

Im Herbst gibt es die Kommunalwahlen. Bereitet sich der DFK Schlesien irgendwie darauf vor?

Vor vier Jahren, bei den letzten Wahlen, haben wir probiert mit eigenen Listen mit Vertretern der deutschen Minderheit etwas zu unternehmen. Uns gelang auch ein kleiner Erfolg, denn so haben wir einen Vertreter der deutschen Minderheit im Stadtrat von Ratibor sitzen. Wie es dieses Jahr aussieht wissen wir noch nicht, denn wir wissen auch nicht, ob wir wieder eine Liste zur Wahl stellen können. Denn es gibt veränderte Wahlregeln und es gab auch die Überlegung eine Partei der Deutschen Minderheit zu gründen. Wir haben uns als Bezirk an die Initiative der Deutschen in Oppeln angeschlossen und wir sind auch Mitgründer der regionalen Partei, welche die deutsche Minderheit in Oppeln gegründet hat. Wir haben auch Vorschläge und Anfragen zur Unterstützung von zwei regionalen Parteien bekommen, die sich in der Woiwodschaft Schlesien gründen. Vorläufig haben wir offiziell davon Abstand genommen, aber es gibt sehr viele Gespräche und Verhandlungen. Wahrscheinlich werden wir eher jemanden unterstützen und auch unsere Kandidaten bei verschiedenen Regionalbewegungen auf deren Listen unterbringen. Ich denke, dass wir - zumindest woiwodschaftsweit - unsere eigenen Listen nicht aufstellen werden. Es ist natürlich aber nicht ausgeschlossen - wenn es in einem Kreis eine Initiative gibt eigene Listen aufzustellen, dann werden wir diese dann unterstützen. Das Thema wird bei der nächsten Vorstandssitzung besprochen.

Wo wir schon beim Thema Wahlen sind - das Bezirksbüro plant dieses Jahr Informationsbesuche bei DFK-Ortsgruppen. Was ist da genau geplant und wie hängt das mit den Wahlen in der Gesellschaft zusammen?

Die Wahlen in unseren Strukturen finden ja 2019 statt und aus Erfahrung wissen wir, dass es das letzte Mal Probleme mit den Vorständen und verantwortlichen Personen gab. Es gab zum Beispiel bei einer Gruppe von ungefähr 100 Leuten die Situation, dass sie keinen Vorsitzenden wählen konnten, weil sich keiner dafür bereit erklärte. Um das auszuschließen haben wir die Kreisverbände um Rückmeldung gebeten. Falls es Schwierigkeiten in einer Ortsgruppen geben sollte, möchten wir diese Gruppe besuchen, ausreichend informieren und die Probleme lösen.

Und wie will man das Problem lösen, wenn sich keiner freiwillig für das Amt des Vorsitzenden bewirbt?

Gerade deshalb haben wir ein Jahr Vorlaufszeit. In dieser Zeit könnte ja doch noch jemand überzeugt oder Lösungen gefunden werden. Zum Beispiel - eine benachbarte Ortsgruppe könnte dann den Vorsitz dieser Gruppe bekommen. Das sind mögliche Lösungen. Erst einmal wollen wir wissen, ob solche Probleme in Ortsgruppen auftreten.

Ein wichtiges Thema für die deutsche Minderheit ist auch das Schulwesen. In Kattowitz wurde jetzt eine Initiative gegründet, eine zweisprachige Schule zu eröffnen. Wie kam es dazu und wie sieht die aktuelle Situation aus?

Das ist ein kompliziertes Thema. Wir haben lange überlegt, ob wir als Deutsche Minderheit eine Schule in eigener Trägerschaft  gründen sollen. Dazu haben wir auch schon entsprechende Schritte unternommen - beispielsweise haben wir in unserer Satzung einen Paragraph hinzugefügt, der uns dies ermöglicht. Es gab auch Überlegungen eine Schule in Gleiwitz zu eröffnen, aber nach der Schulreform ist dies schwierig. Man muss sich nur mal die Probleme der Vereinsschulen in Oppeln ansehen. Wir sind dann auf Kattowitz gekommen, weil wir mit der Bewegung für Autonomie Schlesien und der Organisation von Herrn Dietmar Brehmer eine Vereinbarung abgeschlossen haben, dass wir in Kattowitz eine zweisprachige Schule gründen wollen. In der letzten Zeit haben wir intensive Gespräche in dieser Richtung geführt. Vorläufig wollen wir uns erkundigen, wie groß der Bedarf ist eine derartige Schule in Kattowitz zu gründen.

Haben sich schon interessierte Eltern gemeldet?

Soweit ich weiß, hat sich leider noch niemand gemeldet, es ist aber ein relativ neues Thema.

Wird dann, wenn sich jetzt keiner mehr melden sollte, diese Initiative aufgegeben?

Ich glaube nicht, dass sich keiner melden wird, sondern glaube eher, dass wir die Eltern, die Interesse hätten, noch nicht erreicht haben. Wir sind erst noch auf der Suche nach Interessenten und in etwa einem Monat werden wir dann sehen, ob wir Interessenten haben, oder nicht. Also hier auch nochmal der Aufruf - Eltern, die an dem Angebot einer zweisprachigen Schule interessiert sind, sollten sich einfach bei uns melden.

Was wünschen Sie sich als Vorsitzender für das Jahr 2018?

Das, was sich wahrscheinlich jeder Vorsitzende von einem Verein wünscht - viele aktive Mitglieder, denn das ist das Wichtigste. Die finanzielle Unterstützung ist natürlich auch sehr wichtig, aber wir haben eine relativ gute Unterstützung von vielen Seiten. Ich hätte nur noch eine Bitte an alle Mitglieder: Bitte nutzen Sie das aus, weil wir als Gesellschaft sehr viel zur Verfügung stellen. Was wir wirklich brauchen sind viele aktive Mitglieder, die die Veranstaltungen dann mitorganisieren und besuchen. Das ist wirklich das Wichtigste! Ich wünsche mir auch, dass unsere DFK-Mitglieder die Bürgerinitiative Minority SafePack unterstützen, denn immer noch werden Unterschriften gesammelt. Minority SafePack soll für gleiche Rechte aller Minderheiten in der ganzen Europäischen Union sorgen.

Danke für das Gespräch.