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HISTORIA

2017-06-16
Tot ist nur, wer vergessen wird

Auch in diesem Jahr lädt der Deutsche Freundschaftskreis im Bezirk Schlesien (DFK) am 17. Juni zu einer Gedenkfeier für die Toten des Nachkriegslagers Zgoda ein.


Die Feier beginnt wie gewohnt um 10 Uhr mit einer Heiligen Messe in der St. Paulskirche zu Ruda (Ruda Śląska), die von Pfarrer Wilke aus Marl zelebriert wird, dessen Vater 1945 im Lager Zgoda zu Tode kam. Mitfeiernde am Altar werden Pfarrer Dr. Jerzy Dadaczynski aus Königshütte und Pfarrer Brzoska von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Schwientochlowitz sein.


An die Gedenkmesse schließt sich eine Andacht am Zgodadenkmal auf dem Friedenshütter Kommunalfriedhof an, das sich auf der Fläche eines ehemaligen Massengrabes von Lagertoten befindet. Den Abschluss der Feier bildet die traditionelle Gedenkminute an der Gedächtnisstätte Lagertor in Schwientochlowitz (Schwientochlowitz, Wojska-Polskiego-Straße) mit Blumen- und Kranzniederlegungen. Umrahmt wird das Gedenken mit Beiträgen des Kattowitzer DFK-Kreis-Chores und der Bergmannskapelle „Orkiestra Halemba-Wirek“ aus Ruda.


Fast ein Vierteljahrhundert wird inzwischen der Toten des Lagers Zgoda gedacht, im ersten Jahrzehnt jeweils mit großer Beteiligung naher und entfernterer Angehöriger der Opfer aus Oberschlesien und aus der Bundesrepublik Deutschland. In den letzten Jahren ist aber eine spürbare Abnahme der Besucherzahlen zu beklagen. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die meisten der mit dem Lager unmittelbar Betroffenen und nahe Angehörige der Lageropfer im Laufe der Jahre gestorben sind.


In Oberschlesien gibt es jedoch eine starke deutsche Minderheit, die in vielfacher Weise bemüht ist, das geschichtliche und kulturelle Erbe ihrer Heimat zu bewahren und zu pflegen. Es wäre sehr erfreulich, wenn der Gedenktag 17. Juni für die einzelnen DFK-Ortsgruppen jeweils zu einem konkreten Anstoß würde, sich bewusst zu machen, dass zu diesem Erbe auch – und sogar in ganz besonderer Weise – die Erinnerungskultur gehört. Vielleicht würde dann die Gedenkstätte am Tor des ehemaligen Lagers Zgoda nicht nur im Januar beim Gedenkmarsch, sondern auch im Juni zu einem Ort überzeugender Erinnerung an die zumeist deutschen Opfer jüngster oberschlesischer Geschichte werden.

Für den DFK im Bezirk Schlesien

         Eugeniusz Nagel
         Vicevorsitzender

Im Namen der Zgodaüberlebenden

           Gerhard Gruschka
 

 

"Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, tot ist nur, wer vergessen wird"

Immanuel Kant