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HISTORIA

2017-05-09
Tacitus Oberschlesiens

Tworkau feiert dieses Jahr den 200. Geburtstag von Pfarrer Dr. Augustin Weltzel - Seelsorger und Geschichtsschreiber. 40 Jahre lang diente er in der Pfarrgemeinde Tworkau. In dieser Zeit verfasste er zahlreiche Monographien über oberschlesische Städte sowie Adelsgeschlechter.

Augustin Weltzel wurde am 9. April 1817 in Jeltsch in Niederschlesien geboren. Seine Eltern kamen jedoch aus Oberschlesien – sein Vater kam aus Dambrau (Dąbrowa) bei Oppeln und seine Mutter aus Rosenberg (Olesno). Weltzel empfing seine Priesterweihe im Jahr 1842 vom Bischof Daniel Latussek. Schon damals hat er sich für Geschichte interessiert und den Wunsch verspürt die Oberschlesische Heimat zu erforschen.

Seine erste Kaplanstelle war Stettin, doch er wollte in die Heimat, nach Oberschlesien zurück. So kam er im Jahr 1857 als Seelsorger nach Tworkau. Nach dem Umzug begann er in den Archiven von Ratibor, Breslau, oder Oppeln zu forschen.


Größter Geschichtsschreiber Oberschlesiens

Wegen der Vielzahl seiner historischer Werke wurde er von Dr. Potthast, dem damaligen Bibliothekar des Reichstags, als „Oberschlesischer Tacitus“ bezeichnet. Zu den wichtigsten Werken von Pfarrer Dr. Augustin Weltzel gehören seine historischen Monographien über oberschlesische Städte. Als erste erschien im Jahr 1861 die Geschichte der Stadt und Herrschaft Ratibor (Racibórz). Fünf Jahre später erschien die Geschichte der Stadt, Herrschaft und ehemaligen Festung Cosel (Koźle). Seine Werke waren auch u.a. die Geschichte der Stadt und Herrschaft Guttentag (Dobrodzień), der Stadt Sohrau (Żory) und des Ratiborer Archipresbyterats.

Ein weiteres Untersuchungsfeld waren für Pfarrer Weltzel die schlesischen Adelsgeschlechter. Er untersuchte und veröffentlichte beispielsweise Geschichten des Geschlechts Saurma-Sauerma, des edlen und freiherrlichen Geschlechts von Eichendorff, des edlen, freiherrlichen und gräflichen Geschlechts von Praschma oder des Grafen von Oppersdorf.

Werke von Pfarrer Augustin Weltzel werden noch heutzutage von Historikern sehr geschätzt und als Grundgeschichte Oberschlesiens betrachtet.


Frommer Diener des Herrn

Pfarrer Weltzel hat sich aber nicht nur durch die Geschichtsschreibung ausgezeichnet. Er war auch ein frommer Diener des Herrn. Er genoss ein überaus großes Ansehen und in der Pfarrgemeinde Tworkau wurde er verehrt. Seine Autorität war so groß, dass selbst Kanzler Bismarck sich seinen Rat holen sollte. Als er im Jahr 1892 sein goldenes Priesterjubiläum feierte, erhielt er Gratulationen von Geistlichen und Gelehrten aller Ränge, von Adligen und Aristokraten, von Behörden und Institutionen.

Pfarrer Dr. Augustin Weltzel diente in Tworkau bis zu seinem Tode – er verstarb am 4. November 1897 in Folge einer fortgeschrittenen Krankheit.

 


 

Weltzel-Jahr in Tworkau

Genau das Geburts- und Todesdatum sind Zeitrahmen des Weltzel-Jahres, das dieses Jahr in Tworkau aus Anlass des 200. Geburtstages Weltzels stattfindet.

„Die Feierlichkeiten des 200. Geburtstages Dr. Weltzels haben wir genau am 9. April mit einer Hl. Messe begonnen. Fast bis ans Ende des Jahres wird es verschiedene Veranstaltungen geben und die Hauptfeierlichkeiten sind für den 10. Juni geplant“, so Bruno Chrzibek, Vorsitzender des DFK Tworkau.

Die Hauptfeierlichkeiten beginnen mit einer Hl. Messe um 12 Uhr. Danach wird das neue Denkmal am Grab Pfarrer Weltzels eingeweiht:

„Das Original wurde während Kriegshandlungen zerstört. Es sind jedoch Bilder erhalten geblieben und auf ihrer Grundlage wird unser DFK-Vorstand mit Unterstützung von Sponsoren das Denkmal wiederaufbauen“, erklärt Chrzibek.

Nach der Einweihung geht es in einem Umzug zum Gemeindekulturzentrum in Tworkau, wo es einen Vortrag über das Leben und Werk von Pfarrer Dr. Augustin Weltzel geben wird und ein Konzert der klassischen Musik in Aufführung eines Geigenquartetts.

„Ausgestellt werden auch Werke von Dr. Weltzel, die es uns gelingt anzusammeln”, fügt Bruno Chrzibek hinzu.

Die Hauptfeierlichkeiten am 10. Juni in Tworkau werden mit einem Fest abgeschlossen.


ap